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Schloss in Bečov nad Teplou.


Kurze Geschichte des Reliquiars und dessen Restaurierung

Im Herbst, am 5. November des Jahres 1985 gelang es, eine kunstgeschichtliche Rarität von Weltbedeutung, den Reliquiar des heiligen Mauruss zu finden. Es handelt sich um eine seltene Goldschmiedearbeit aus der Romanik. Die Einzigartigkeit dieses Reliquiars zeigt sich in der hervorragenden kunsthandwerklichen Bearbeitung und somit auch in seltenem Vorkommen ähnlicher Objekte. Nach längerer, systematischer Suche der Kriminalpolizei aus Prag wurde der Reliquiar in der Kapelle der Burg Bečov (Petschau am Tepla) unter dem Fußboden entdeckt. Hier haben ihn die letzten Besitzer der Burg Bečov, die Grafen von Beaufort-Spontin, versteckt, ehe sie als Mitglieder der NSDAP im Jahre 1945 die Tschechoslowakische Republik verließen. Nach dem Entdecken des Reliquiars wurde dieser nach Prag überführt und nach der Wertschätzung der geladenen Kunsthistoriker und der ersten Beurteilung des Zustandes der Restauratoren, die den unbezahlbahren Wert des Reliquiar bestätigten, wurde von diesem Fund des Jahrhunderts auch die Öffentlichkeit in der Tschechischen Republik informiert. Dieser Reliquiar aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts gehört wegen seiner prächtigen kunsthandwerklichen Ausstattung zu den wenigen erhaltenen Reliquiare dieser Art in Europa.

Der Reliquiar (140 cm lang, 65 cm hoch 42 cm breit) ist reich geschmückt mit verschiedenen Arten von Goldschmiedetechnik. Am Dach des Reliquiars sind an einer Seite Reliefe mit Szenen aus der Leben des heiligen Mauruss und des heiligen Timotheus zu sehen und an der anderen Seite befindet sich ein Relief mit Szenen aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers, dem der Reliquiar auch geweiht war. Ein kleiner Teil seiner sterblicher Überreste soll angeblich zwischen anderen Reliquien, die man im Inneren des Reliquiars gefunden hat, sein. Die Reliefe sind außergewöhnlich durch ihre Komposition, und ungewöhnlich durch die Lebendigkeit der Figuren. An den Seitenteilen dominieren die Figuren der 12 Apostel, die durch die bildhauerische Modellierung und hervorragende Ausführung der Ziseliertechnik bestechen. Zwischen den Gewölben wechseln sich die Filigranfeldern mit Emailplatchen ab, die die Szenen aus dem Leben des Moses darstellen. In der reich profilierten Frontal- Schildseiten sind Statuetten des Christus und heiligen Maurusus angebracht.

Die 40-jährige Lagerung in der feuchten Erde hat zur Destruktion des hölzernen Kerns, auf dem die Ausschmückung angebracht war, geführt. Der Boden des Reliquiars war völlig verfault, die Statuetten hatten ihre Stütze verloren und fielen ab, und auch der Temperaturwechsel und die Feuchtigkeit nach dem Herausholen des Reliquiars aus der Erde hat zu weiteren Veränderungen des Holzkerns in solchem Ausmaß geführt, dass auch die Goldschmiedearbeit durch Korrosion bedroht war. Sehr genau zeigen es die Fotos der Frontseite mit den Statuetten des heiligen Maurusus und des Christus, sowie die der beiden Seitenteile, die im Jahre 1986 gemacht waren. Aus diesen Gründen wurde sofort von einer Demontage des Objektes abgeraten. Mit dem Abnehmen der einzelnen Teile der Ausschmückung waren die Restauratoren Alena Novakova und Andrej Sumbera beauftragt. Die einzelnen Teile der Seiten des Reliquiars waren an Polystyrenplatten angebracht. Es waren die Frontalseite mit der Statuette des heiligen Maurusus, die Frontalseite mit der Statuette des Jesus Christus, der Seitenteil mit den Szenen aus dem Leben des heiligen Maurusus, der Seitenteil mit den Szenen aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers und der Boden des Reliquiars. Der ursprüngliche Eichholzkern war extra aufbewahrt, sowie auch die Reste des Reliquiarbodens.

Die systematischen restauratorischen Arbeiten begannen nach der Aufklärung des Eigentumsrechts des Reliquiars erst im Jahre 1991 unter Führung des Besitzers (des Objekts), dem Staatsdenkmalamt in Pilsen. Die Restaurierungsarbeiten wurden den Restauratoren A. Novakova und A. Sumbera anvertraut, die dann einen kompletten Entwurf der Restaurierung des Reliquiars ausgearbeitet haben. Eine ausführliche Geschichte des Fundes des Reliquiars und die Gründe der Verzögerung des Arbeitsprozesses bei der Restaurierung vom Jahr 1991 bis zum Jahr 2002 finden sie in dem Abschnitt: Das Sonstige.

Das Zusammenstürzen des ursprünglichen Eichholzkernes bedeutete auch den Verlust der Information über das genaue Ausmass des Reliquiars. Die Rekonstruktion der Form und Größe des Reliquiars verlief nun mit Hilfe von Modellen, auf denen die Ausschmückung probeweise angebracht wurde und so Form und Ausmass nach Bedarf korrigiert werden konnten. Auf den Fotos wird der Arbeitsvorgang der Anpassung der Ausschmückung an das erste Modell aus Lindenholz gezeigt. Nach dem Bemessen aller Veränderungen wurde ein zweites Modell aus Lindenholz und danach als Endprodukt ein Kern aus Nußholz angefertigt. Aber auch hier waren vor der letztendlichen Montage der Ausschmückung kleine Korrekturen notwendig. Die Komplikationen bei der Montage an den definitiven Kern sind gut auf den folgenden Fotos dokumentiert: der Zustand nach Bedeckung des Kernes im Juni 1999. Im April 2002 ist der Kern aus Nußbaum definitiv komplett bestückt. Der ursprüngliche Kern aus Eichenholz wurde konserviert.

 

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