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Der Maurusschrein ist ein Beleg außergewöhnlicher künstlerischer und handwerklicher Qualität romanischer Edelschmiedekunst. Das ausgezeichnete Denkmal wurde für die Benediktinerabtei in Florennes im ersten Viertel des 13. Jahrhundert angefertigt. Die Geschichte dieses seltenen Denkmals ist gleich auf mehreren Ebenen bemerkenswert. In der Gestaltung unterscheidet es sich in vielen Details von den anderen Reliquiaren in diesem Bereich - von dem "Kolínsko-Mosanský" Kreis - und hat deswegen keinen direkten Vergleich. Somit konnte bisher nicht ermittelt werden, in welcher unzweifelhaft bedeutenden Edelschmiedewerkstatt es entstanden ist. Es wurde für die Gebeine des heiligen Maur und des heiligen Johannes des Täufers angefertigt, die in der Benediktinerabtei in Florennes in Belgien aufbewahrt werden. Laut Analysen enthält es aber auch weitere Reliquien.

In Folge vieler Begebenheiten, die auch dramatische Momente nicht vermissen lassen (wie z.B. die Plünderung und Zerstörung des Klosters und die wundersame Rettung des Reliquiars), geriet das Reliquiar um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts nach Böhmen, nach Bečov. Die Verwicklung schreitet mit dem Verschwinden des Reliquiars am Ende des II. Weltkrieges fort. Es ist gelungen, das gänzlich einzigartige Denkmal auf Boden des tschechischen Staates erst im Jahre 1985 wiederzuentdecken. Die erfolgreiche Fahndung tschechische Kriminalbeamter war so interessant, dass sie zur Vorlage eines Krimis wurde.

Aus künstlerischer Sicht fesselt vor allem die Ausarbeitung der Statuetten und Reliefs, die das Reliquiar zu den bedeutendsten Denkmälern im europaweiten mittelalterlichen Kontext gehören läßt. Es zeichnet sich durch eine für das romanische Zeitalter ungewöhnliche Lebendigkeit in Ausführung und Expressivität aus - die seelenvollen Gesichtausdrücke der Aposteln haben Züge eines Portraits, die Reliefs wiederum zeichnen sich durch eine originelle Komposition aus.

Einzigartig ist auch die Verarbeitung alttestamentlicher Offenbarungen auf Emaille. Ein eigenes Kapitel bilden die antiken Gemmen (Miniaturwerke der Künstler entstanden vor zweitausend Jahren), sekundär verwendet als Verzierungsteil der filigranen Elemente des Reliquiars. Auch die Problematik eigentlich restauratorischer Eingriffe ist ungewöhnlich. Das Reliquiar ist in einem Versteck unter dem Boden einer Kapelle entdeckt worden, mit Erde verschüttet und in einem ziemlich verkommenen Zustand. Es handelt sich hierbei an sich um einen archäologischen Fund, viele Teile waren deutlich beschädigt und der Arbeitsumfang zur Erneuerung war außerordentlich.

Oft war es nötig die mittelalterliche Edelschmiedetechnologie wiederzubeleben, von der einige längst vergessen waren, auf der anderen Seite mussten moderne Analysen und neu entwickelte Vorgehensweisen der Restaurierung angewandt werden.

Das kunsthistorisch bedeutende und reichhaltig mit kostbaren Verzierungen bestückte Reliquiar veranlasste die Restauratoren selbstverständlich zu einer detailgenauen Untersuchung und Dokumentation. Viele einzelne Fotografien konnten nur dank der vollständigen Demontage des Denkmals entstehen und sind bereits unwiederholbar. Deshalb entstand der Gedanke, diese interessante und umfangreiche Dokumentation mit der Öffentlichkeit zu teilen.

 

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